„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, sie zu verändern“ (Karl Marx)

Saturday, February 03, 2007

Die "Zauberer Jackl" Prozesse in Salzburg

Die Hexen- und Hexerprozesse im Zuge der Verfolgung des Zauberers Jackl waren die schlimmsten auf dem ganzen Territorium der Habsburger Monarchie.
Federführend in den Salzburger Hexenverfolgungen beziehungsweise Zauberer-Verfolgungen war die katholische Kirche mit ihrem irdischen Vertreter Erzbischof Maximilian Gandolf von Kuenburg (1668- 1687), die sich je nach Quelle von 1677 bis 1690 hinzogen.
Was waren nun die Hintergründe für diese Prozesse und vor allem wer war dieser Zauberer Jackl, vor dem das Erzbistum so große Angst hatte?

Die Protokolle der Salzburger Hexenprozesse zeigen, in welch bitterer Armut gerade die mehrheitsstellende Landbevölkerung lebte.
Ein großes Problem dieser Zeit waren verheerende Missernten und Umwelteinflüsse wie Unwetter und Überschwemmungen, die es den Bauernfamilien schwer machten zu überleben. Zudem musste auch ein Teil der Ernte an die feudale Herrschaft abgeliefert werden.
Viele Familien bettelten sich um zu überleben oft weit voneinander getrennt durch die Länder des Erzbistums Salzburg und des Salzkammerguts.
In diesen Zeiten des bitteren Überlebenskampfes und der Ausgeliefertheit gegenüber der Natur, wurde nach Erklärungen für das Unerklärliches gesucht. So kam es auch, dass Menschen, die auf irgendeine Weise „anders“ und „eigenartig“ waren, sehr misstrauisch betrachtet wurden.

Genau diese Angst und Unwissenheit nutzte die katholische Kirche für ihre Inquisition von nicht kirchenkonformen oder kirchenfeindlichen Personen aus. Die Absicht dahinter war mitunter die Macht und den Respekt der Kirche zu sichern und den alleinigen Anspruch als wahre und richtige Religion mit Nachdruck zu erheben. Ein weiterer Aspekt war der Versuch des herrschenden Klerikus die steigende Anzahl der Bettlerinnen und Bettler unter Kontrolle zu bringen.

Den Anfang der Verfolgungen machte die Festnahme von von Jackls Mutter Barbara Koller, die aus einer Werfener Abdeckerfamilie („Schinderfamilie“) stammte.
Als der Vater starb und die Familie in schweren finanziellen Nöten war, zogen die beiden bettelnd durch das Salzkammergut und das Land Salzburg.
Barbara Koller wurde gefasst und wegen Diebstahl und Verzauberung von Tieren hingerichtet und gegen den Sohn wurden etliche Haftbefehle und Prämien ausgesetzt. Er wurde von Kirche als die Verbindung zur Zauberei angesehen .
Da der sogenannte junge „Zauberer Jackl“ nie gefasst werden konnte, wurden seine Kräfte und die vermutete Hexerei immer glaubhafter und die Angst und der Verfolgungswahn der Machthaber stieg.

So wurde also Jagd auf alle gemacht, die in irgendeiner Weise unter Verdacht standen den „Schinderjackl“ zu kennen oder gar Kontakt zu ihm gehabt zu haben.
Da es zu dieser Zeit etliche Kinder gab, die von zu Hause wegliefen und in kleinen Gruppen bettelnd herum zogen, wurde viele dieser Jugendlichen vorgeworfen, Mitglieder der ominösen „Zauberer Jackl Gruppe“ zu sein.
Aus diesem Grund war ein Großteil der hingerichteten SalzburgerInnen Kinder aus ländlichen Bauernfamilien.

Die Gefangenen wurden zuerst im Rathaus der Stadt Salzburg eingekerkert. Da dieser Raum zu klein wurde, wird davon ausgegangen, dass der 1470 in die Stadtmauer integrierte Hexenturm in der heutigen Paris Lodron Straße ausgebaut und erweitert wurde.
Dieser Turm war bis 1944 im original erhalten und sein Dach zierte ein Blechfahne in der Form einer besenreitenden Hexe.
Nach einem Bombenschaden wurde das Haus neu errichtet. Eine Gedenktafel erinnert heute an den ursprünglichen Zweck dieses Hauses.

Die Verdächtigen wurden solange Folter und Gewalt ausgesetzt, bis sie Geständnisse ihrer nie vollbrachten Taten und Denunzierungen gegenüber anderen zugaben und aussprachen.
Auf diese Weise wurden in den Jahren der Jackl Prozesse 198 verdächtige Personen festgenommen, von denen 138 im Namen des Erzbischofs von Salzburg hingerichtet wurden.

Für den Erzbischof von Salzburg war die Verfolgung vom Jackl und seinem Gefolge so wichtig, dass er eigens die "Peinliche Ordnung Maximiliani Gandolphi" verabschiedete. Sie bildete die Grundlage für die Zauberer-Jackl-Prozesse.
Zuständig dafür war das Stadtgericht Salzburg, das unter Leitung des Hofrats arbeitete und eigene Juristen und Gehilfen anstellte, die sich mit der genauen Planung der Verfolgungen und Prozessen beschäftigte.
Diese straffe Organisation war deshalb so wichtig, da gemäß der erzbischöflichen Verordnung die Gefangenschaft, Folter und Hinrichtung in der Stadt Salzburg stattfinden musste.

Der Erzstift zu Salzburg suchte in den Nachbarregionen um Verbündete bei der Suche nach dem mystischen Jackl und half diesen auch bei den lokalen Verfolgungen und Prozessen. So berichtet zum Beispiel die Stadtchronik von Goisern:

"Anno 1678 entstunde im Erzstift Salzburg ein Erzzauberer, im gemein der Zauberer Jägel genannt, welcher auch neben seyner zauberey abentheyerlich Possen trieb, dem Doktor Faust gleich; es konnte ihme niemand gefänglich bekommen. Er hat mit seiner Zauberey viel hundert Menschen verführt, wie dann obbemeltes Jahr 1678 in der Erzstift über hundert Personen solchermaßen hingericht; erstlich hat man einen scheitterhaufen, allwo ein holzerner Pfahl gesteckt, zugericht, selbe darauf gebunden und also erwürget und hernach verbrannt, etliche von ihnen aber lebendig verbrennt. Man hat es lange Zeit hernach noch nicht ausrotten mögen. Den Erzbößwicht hat man aber noch anno 1681 nicht bekommen."


Die nächste Mozartkugel wird zum Thema der Judenverfolgungen in Salzburg ausgepackt. Schon soviel vorweg: Die Verfolgung dieser Minderheit hat in Salzburg über viele Jahrhunderte beinahe schon Tradition.


Fotos: Der Rote Stift

Quellen zum Text:

Chronik der Stadt Salzburg 16-18 Jahrhundert

Jennewein, Herbert (2001). Regionale Schwerpunkte der Hexenverfolgungen und Zaubereiprozesse, Seminararbeit an der Uni Innsbruck

Kurz Michael (2003). Der Wahn um den Zauberer, in: Oberösterreichische Nachrichten vom 29.11.2003

Leonhardt Henrike (2003). Der Kampf um ein "fleckenloses Salzburg" hat Tradition, in: Apropos, Nr. 65

Lehrerarbeitsgemeinschaft Salzburg (1993).Heimatkunde Stadt Salzburg, Eigenverlag der Salzburger Sparkasse, Salzburg

www.sagen.at

2 Comments:

Blogger Hartmut said...

Hallo, ich arbeite an einer Übersicht über Gedenktafeln für Opfer der Hexenprozesse und möchte Sie fragen, ob ich die Fotos dafür verwenden darf.
Ich habe eine Übersicht über Deutschland schon fertig auf meiner Internetseite:

http://www.anton-praetorius.de/opfer/orte_2.htm

Mit freundlichem Gruß Hartmut Hegeler, Sedanstr. 37, 59427 Unna Deutschland www.anton-praetorius.de

8:45 AM

 
Blogger Hartmut said...

Hallo, ich arbeite an einer Übersicht über Gedenktafeln für Opfer der Hexenprozesse und möchte Sie fragen, ob ich die Fotos dafür verwenden darf.
Ich habe eine Übersicht über Deutschland schon fertig auf meiner Internetseite:

http://www.anton-praetorius.de/opfer/orte_2.htm

Mit freundlichem Gruß Hartmut Hegeler, Sedanstr. 37, 59427 Unna Deutschland www.anton-praetorius.de

hartmut.hegeler@gmx.de

8:46 AM

 

Post a Comment

<< Home